Agentic Commerce mit Shopware
Die Zukunft des E-Commerce durch KI-Agenten und UCP
Was Online-Händler jetzt wissen sollten
Agentic Commerce entwickelt sich gerade von einem Zukunftsthema zu einer konkreten technischen Entwicklung im E-Commerce.
Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Kunden geben nicht mehr zwingend selbst jede einzelne Bestellung in einem Online-Shop auf. Stattdessen können KI-Agenten einen Teil des Einkaufs übernehmen. Sie suchen Produkte, vergleichen Angebote, bauen Warenkörbe und können – sofern der Händler dies ermöglicht – auch den Checkout durchführen.
Für Online-Händler entsteht damit ein neuer Vertriebskanal.
Neben dem klassischen Kunden, der direkt den Shop besucht, und Suchmaschinen, die Besucher zum Shop bringen, können künftig auch KI-Agenten direkt mit dem Shop interagieren.
Für Shopware-Händler ist das besonders interessant, denn Shopware bietet inzwischen konkrete Möglichkeiten, einen Shop für solche Szenarien vorzubereiten.
Agentic Commerce einfach erklärt

Stellen wir uns einen klassischen Online-Kauf vor: Ein Kunde benötigt beispielsweise zehn Wäschesäcke. Bisher würde er einen Shop aufrufen, nach dem Produkt suchen, die richtige Variante auswählen, die Menge festlegen und anschließend bestellen.
Mit einem KI-Agenten könnte die Anfrage dagegen beispielsweise lauten:
Ich brauche zehn Wäschesäcke. Sie müssen spätestens nächste Woche geliefert werden. Suche mir ein passendes Angebot und bestelle, wenn der Gesamtpreis unter 150 Euro liegt.
Der Agent übernimmt daraufhin die einzelnen Schritte.
Er muss dafür allerdings wissen:
- Welche Produkte gibt es?
- Welche Varianten sind verfügbar?
- Was kosten sie?
- Wie viele Artikel sind auf Lager?
- Welche Versandmöglichkeiten gibt es?
- Welche Zahlungsarten stehen zur Verfügung?
- Welche Rabatte können angewendet werden?
- Wie funktioniert der Checkout?
- Kann eine Bestellung überhaupt automatisiert aufgegeben werden?
Genau an dieser Stelle unterscheidet sich Agentic Commerce vom klassischen Online-Shop.
Ein Shop muss nicht mehr nur für Menschen verständlich und bedienbar sein, sondern muss Informationen und Funktionen zunehmend auch maschinenlesbar und maschinensteuerbar bereitstellen.
UCP als gemeinsame Sprache
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Universal Commerce Protocol – kurz UCP.
UCP ist ein offener Standard, der eine gemeinsame Sprache für Unternehmen, Plattformen und KI-Agenten schaffen soll. Ziel ist es, Commerce-Prozesse von der Produktsuche bis zum Checkout über standardisierte Funktionen abzubilden.
Das ist wichtig, weil sonst für jeden KI-Anbieter und jeden Shop individuelle Schnittstellen gebaut werden müssten.
Vereinfacht könnte ein zukünftiges Szenario so aussehen:
Kunde → KI-Agent → UCP → Shopware → Warenkorb → Checkout → Bestellung

Der KI-Agent muss dabei nicht wissen, wie das Shopware-Backend aufgebaut ist. Er muss auch nicht die Oberfläche des Shops bedienen. Stattdessen kann er über standardisierte Funktionen mit dem Shop kommunizieren.
UCP unterstützt dabei unter anderem Funktionen rund um Katalog, Warenkorb, Checkout und Bestellungen. Auch Erweiterungen für Fulfillment, Identität und weitere Commerce-Funktionen sind vorgesehen.
Das Entscheidende dabei: Der Händler bleibt der Händler.
UCP soll also nicht den Shop ersetzen, sondern stellt vielmehr eine standardisierte Verbindung zwischen Shop und Agent her. Das Unternehmen bleibt weiterhin Merchant of Record und behält seine Geschäftslogik.
Was bedeutet das konkret für Shopware?
Für Shopware wird das Thema inzwischen sehr konkret und stellt eine eigene Agentic-Commerce-Erweiterung bereit. Diese befindet sich aktuell noch im Beta-Status, bietet aber bereits Unterstützung für UCP sowie einen speziellen Product-Feed-Verkaufskanal.
Damit ist Agentic Commerce bei Shopware nicht mehr nur eine theoretische Möglichkeit, die Händler komplett selbst entwickeln müssen.
Die Erweiterung stellt aktuell unter anderem folgende Funktionen bereit:
- UCP-Anbindung
- maschinenlesbare Produktdaten
- Produktkatalog
- Warenkorb
- Checkout
- Bestellungen
- Rabatte
- verschiedene Kommunikationswege zwischen Agent und Shop
Die genaue Auswahl kann über den jeweiligen Verkaufskanal gesteuert werden. Shopware sieht dafür im Verkaufskanal einen eigenen Bereich „Agentic Commerce“ vor.
Der Verkaufskanal wird zur Schnittstelle für KI-Agenten
Ein interessanter Punkt bei Shopware ist die Verwendung von Verkaufskanälen. UCP kann für einen Verkaufskanal aktiviert und dort konfiguriert werden. Der Händler kann anschließend festlegen, welche Funktionen kompatible KI-Agenten verwenden dürfen.
Dazu gehören derzeit beispielsweise:
- Katalog durchsuchen
- Warenkorb
- Rabatte
- Checkout
- Bestellungen
Zusätzlich lassen sich die Transportwege konfigurieren. Shopware nennt derzeit unter anderem REST, A2A und Embedded.
Das ist für Händler wichtig, weil Agentic Commerce damit nicht zwangsläufig bedeutet, dass sofort sämtliche Shop-Funktionen für jeden beliebigen Agenten geöffnet werden. Stattdessen kann der Händler festlegen, welche Möglichkeiten ein Agent bekommt.
Ein Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir einen B2B-Shop, der Wäschereibedarf verkauft.
Ein Kunde benötigt:
- 20 Wäschesäcke
- 5 Wäschecontainer
- Lieferung innerhalb von sieben Tagen
Der Kunde gibt diese Anforderungen an seinen KI-Agenten weiter und der könnte zunächst den Produktkatalog durchsuchen. Dabei werden beispielsweise Produktdaten, Varianten, Preise und Verfügbarkeiten berücksichtigt. Anschließend wird ein Warenkorb erstellt.
Der Agent kann nun prüfen, welche Versandart für den Warenkorb verfügbar ist, welche Kosten entstehen und welche Zahlungsarten angeboten werden. Anschließend kann der Checkout vorbereitet oder – sofern die notwendigen Berechtigungen vorhanden sind – abgeschlossen werden.
Aus Sicht des Shopware-Händlers läuft der Vorgang letztlich weiterhin durch die normalen Commerce-Prozesse. Der Unterschied liegt darin, wer den Prozess anstößt und bedient.
Bisher:
Kunde → Shop → Warenkorb → Checkout → Bestellung
Neu:
Kunde → KI-Agent → UCP → Shopware → Warenkorb → Checkout → Bestellung
Was muss ein Shopware-Shop dafür mitbringen?
Die technische UCP-Anbindung ist nur ein Teil des Themas. Ein Shop kann technisch perfekt an einen KI-Agenten angebunden sein – wenn die Produktdaten schlecht gepflegt sind, wird der Agent trotzdem Schwierigkeiten haben, die richtigen Produkte auszuwählen. Deshalb sollte man Agentic Commerce in mehrere Ebenen aufteilen:
1. Gute Produktdaten
Das Fundament ist weiterhin der Produktkatalog. Ein Agent muss beispielsweise erkennen können, ob zwei Produkte tatsächlich vergleichbar sind.
Dazu gehören:
- eindeutige Produktnamen
- aussagekräftige Beschreibungen
- Artikelnummern
- Varianten
- Maße und Eigenschaften
- Preise
- Verfügbarkeiten
- Bilder
- Kategorien
- relevante technische Merkmale
Gerade bei B2B-Produkten sind strukturierte technische Eigenschaften besonders wichtig. Ein Mensch kann sich beispielsweise aus einer langen Produktbeschreibung herauslesen, dass ein Flusensieb teflonbeschichtet ist und für einen bestimmten Einsatzzweck geeignet ist. Ein Agent benötigt diese Informationen möglichst eindeutig und strukturiert.
2. Klare Geschäftslogik
Der Agent muss außerdem mit den Regeln des Shops umgehen können.
- Was kostet der Versand?
- Gibt es Mindestbestellwerte?
- Welche Zahlungsarten stehen zur Verfügung?
- Welche Produkte können in welche Länder geliefert werden?
- Welche Rabatte gelten?
- Welche Kunden erhalten individuelle Preise?
Gerade im B2B-Commerce kann dieser Punkt komplex werden. Deshalb sollte nicht versucht werden, die gesamte bestehende Shoplogik für KI-Agenten neu zu erfinden. Besser ist es, wenn der Agent möglichst auf die vorhandenen Geschäftsprozesse des Shops zugreifen kann.
Genau hier liegt eine Stärke eines Protokolls wie UCP: Es soll standardisierte Commerce-Funktionen zugänglich machen, während die eigentliche Geschäftslogik beim Händler bleibt.
3. Sichere Schnittstellen
Ein Agent, der lediglich Produkte durchsucht, benötigt wesentlich weniger Rechte als ein Agent, der Bestellungen aufgeben darf. Deshalb ist die Frage der Berechtigungen entscheidend. Shopware ermöglicht bei der UCP-Konfiguration, die verfügbaren Funktionen festzulegen. Auch die Absicherung der Kommunikation ist Bestandteil des UCP-Konzepts.
Für Händler sollte deshalb grundsätzlich gelten:
So viele Rechte wie nötig, aber so wenige wie möglich.
Ein Agent sollte beispielsweise nicht automatisch Zugriff auf sämtliche Kundendaten erhalten, nur weil er Produkte durchsuchen können soll.
Was sind die „Agentic Files“ bei Shopware?
Neben UCP gibt es bei Shopware noch einen weiteren interessanten Baustein: sogenannte Agentic Files .
Dazu gehören unter anderem:
ai-catalog.jsonagents.mdllms.txt
Diese Dateien stellen Informationen über den Shop und seine Inhalte in einer Form bereit, die von KI-Systemen beziehungsweise Agenten verarbeitet werden kann.
Das Prinzip lässt sich vereinfacht mit einer Art digitalem Wegweiser vergleichen. Während UCP beschreibt, wie ein Agent mit dem Shop interagieren kann, können solche maschinenlesbaren Dateien dabei helfen, den Shop und seine Inhalte zu verstehen.
Agentic Commerce ist also weit mehr als nur ein API-Endpunkt. Im Mittelpunkt steht die gesamte Kommunikation zwischen Shop und KI.
Muss ein Shopware-Händler jetzt sofort handeln?
Nein. Zumindest nicht in dem Sinne, dass jeder Shop sofort komplett umgebaut werden muss. Agentic Commerce befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Auch UCP entwickelt sich weiter und wird laufend um Funktionen ergänzt.
Für Shopware-Händler ist deshalb zunächst etwas anderes wichtig: Die technischen Grundlagen sollten stimmen.
Wer einen neuen Shop aufbaut, sollte heute bereits darauf achten, dass Produktdaten sauber strukturiert sind, Geschäftsprozesse klar definiert sind und Schnittstellen nicht unnötig auf die menschliche Bedienung über die Storefront beschränkt werden.
Wer diese Grundlagen bereits besitzt, hat später deutlich weniger Aufwand, neue KI-Kanäle anzubinden.
Besonders interessant für B2B-Commerce
Gerade im B2B-Bereich könnte Agentic Commerce besonders spannend werden. B2B-Bestellungen bestehen häufig aus wiederkehrenden Produkten, bekannten Mengen und relativ klaren Anforderungen. Ein Einkäufer muss dann nicht jedes Mal mehrere Shops besuchen und Produkte zusammensuchen.

Stattdessen könnte ein Agent beispielsweise regelmäßig prüfen:
„Bestelle 50 Stück dieses Verbrauchsmaterials, wenn der Preis unter 10 Euro pro Stück liegt und die Lieferung innerhalb von fünf Werktagen möglich ist.“
Das ist genau die Art von Aufgabe, für die Agenten interessant werden. Noch spannender wird es, wenn der Agent nicht nur einen einzelnen Shop kennt, sondern verschiedene Anbieter vergleichen kann.
Damit entsteht für Händler allerdings auch ein neues Problem: **Der Kunde entscheidet möglicherweise nicht mehr selbst, welchen Shop er besucht. **Stattdessen entscheidet ein Agent anhand von Kriterien wie Preis, Verfügbarkeit, Lieferzeit, Qualität oder Kundenpräferenzen. Das verändert die Bedeutung von Sichtbarkeit im E-Commerce erheblich.
SEO bekommt einen neuen Nachbarn
Über viele Jahre war die zentrale Frage:
Wie bekomme ich meine Produkte bei Google möglichst weit nach oben?
Mit Agentic Commerce kommt eine weitere Frage dazu:
Wie gut versteht eine KI meine Produkte – und wie wahrscheinlich ist es, dass sie sie in einer konkreten Kaufsituation berücksichtigt?
SEO wird dadurch nicht unwichtig. Im Gegenteil: Für Händler geht es künftig möglicherweise darum, Sichtbarkeit auf mehreren Ebenen mitzudenken:
Suchmaschine → Mensch
KI-System → KI-Agent
KI-Agent → Commerce-Schnittstelle
Damit wird auch die Qualität der Produktdaten immer wichtiger. Denn nur wenn Produkte strukturiert, vollständig und verständlich beschrieben sind, können KI-Systeme sie zuverlässig einordnen und in passenden Kaufsituationen berücksichtigen.
Was sollte man als Shopware-Händler jetzt tun?
Wer sich heute mit dem Thema beschäftigen möchte, muss nicht direkt ein großes Agentic-Commerce-Projekt starten. Ein sinnvoller erster Schritt wäre eine Bestandsaufnahme.
Schritt 1: Produktdaten prüfen
Sind Produktnamen, Beschreibungen, Varianten und Eigenschaften vollständig und eindeutig?
Schritt 2: Geschäftsprozesse prüfen
Sind Preise, Versandkosten, Verfügbarkeiten und Zahlungsarten sauber im Shop abgebildet?
Schritt 3: Schnittstellen prüfen
Welche Funktionen sind bereits über APIs verfügbar?
Schritt 4: UCP beobachten und testen
Shopware bietet inzwischen eine konkrete Agentic-Commerce-Erweiterung mit UCP-Unterstützung. Da sich diese Funktion aktuell noch im Beta-Status befindet, bietet es sich an, zunächst in einer Testumgebung Erfahrungen damit zu sammeln.
Schritt 5: Sicherheitskonzept festlegen
- Welche Funktionen darf ein Agent nutzen?
- Darf er nur Produkte suchen?
- Darf er Warenkörbe erstellen?
- Darf er den Checkout vorbereiten?
- Oder darf er tatsächlich Bestellungen auslösen?
Diese Fragen sollten vor einer produktiven Nutzung beantwortet werden.
Fazit
Agentic Commerce ist mehr als ein weiterer KI-Trend. Die Entwicklung könnte die Art und Weise verändern, wie Kunden Produkte entdecken und kaufen.
Für Shopware-Händler ist besonders interessant, dass die technischen Grundlagen inzwischen konkret werden. Mit der Agentic-Commerce-Erweiterung stellt Shopware bereits eine UCP-Integration und einen Product-Feed-Verkaufskanal bereit. Die Funktion befindet sich aktuell noch in der Beta-Phase, entwickelt sich aber schnell weiter.
UCP könnte dabei zu einer Art gemeinsamer Sprache zwischen Online-Shop und KI-Agent werden. Für Händler bedeutet das langfristig eine neue Perspektive auf den eigenen Shop:
Der Shop muss nicht mehr nur für Menschen funktionieren. Er muss zunehmend auch von Maschinen verstanden und bedient werden können.
Wer heute einen neuen Shopware-Shop aufbaut, sollte deshalb nicht versuchen, bereits jede zukünftige Entwicklung vorherzusehen. Viel wichtiger ist eine saubere Grundlage: gute Daten, klare Prozesse, offene Schnittstellen und eine sichere Architektur.
Wenn diese Voraussetzungen stimmen, lässt sich ein Shop später vergleichsweise flexibel an neue KI- und Agentic-Commerce-Kanäle anbinden.
Und genau darin liegt vielleicht die spannendste Entwicklung: Der Online-Shop wird möglicherweise nicht mehr immer der Ort sein, an dem der Kunde tatsächlich einkauft. Stattdessen könnte er zunehmend im Hintergrund arbeiten – als System, über das ein KI-Agent den Einkauf für den Kunden abwickelt.
Stand August 2026